Bau eines Birkenrindenkanumodells

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Als im Frühjahr das Telefon klingelt, folgte ein ganz besonderes Gespräch: Der junge Schüler Till hat sich für seine Jahresarbeit in der 8. Klasse der Waldorfschule Karlsruhe eine große Herausforderung gewählt: Er wollte sich an die Arbeit machen, Detailgetreu ein Kanu aus Birkenrinde nachzubauen, als schwimmendes Modell. Till ist beiweiten nicht der Einzige, der mit Rinde von sagaan Kanus baute, wie sie in Kanada und auch Russland früher gängig waren. Aber er ist sicherlich der jüngste Kanubauer, der dieses Meisterwerk im Rahmen seiner Projektarbeit fertigbrachte. Schon wenige Monate später berichtet er über sein Vorgehen und beschreibt Schritt für Schritt den Bau seines Birkenrindenkanus:

»Im Voraus:

Vielen vielen Dank an die Firma Sagaan!

Sie haben mich bei meinem Projekt unterstützt, indem sie mir die Birkenrinde zu Verfügung stellten, die ich für mein Boot brauchte.

So entstand mein Kanadiermodell aus Birkenrinde

Bevor etwas praktisch umgesetzt wird, sollte es aufgezeichnet werden und die Maße aufgeschrieben.

Das ist das Grundbrett mit den Stangen. Sie dienen dazu die Birkenrinde in die Bootsform zu bringen.
Das ist das Grundbrett mit den Stangen. Sie dienen dazu die Birkenrinde in die Bootsform zu bringen.

Das Grundbrett

Die Größe und Form des Kanadiers wird bestimmt und auf ein Brett gezeichnet. Damit beide Seiten symmetrisch sind, werden Nägel in das Brett geschlagen, eine Leiste um sie gebogen und an ihr entlang eine Linie gezogen.

Entlang der Form des Boots werden auf beiden Seiten fünf Löcher in das Brett gebohrt, um Stangen in das Brett einzulassen. Sie sind dafür da, die Rinde in die Form des Boots zu bringen.

Der Süllrand trocknet in der Form die er später haben soll.
Der Süllrand trocknet in der Form die er später haben soll.

Der Süllrand

Der Süllrand besteht aus zwei Leisten pro Seite, also insgesamt vier Leisten. Die Birkenrinde wird auf jeder Seite zwischen die zwei Leisten geklemmt. Damit sind Süllrand und Birkenrinde miteinander verbunden.

Damit der Süllrand in seiner Form bleibt, gibt es Querleisten, die dazwischen gesetzt werden. Die Querleisten haben Löcher um sie später mit dem Süllrand und der Birkenrinde vernähen zu können.

Nachdem die Leisten für den Süllrand eingeweicht wurden, werden sie mithilfe des Grundbretts und der Nägel in die Form des Bootes gebogen. Danach müssen sie eine Weile trocknen.

Das Stempiece trocknet in seiner Form
Das Stempiece trocknet in seiner Form

Das Stempiece (Bugleiste)

Ein Stempiece ist eine etwas dickere gebogene Leiste die den Bug bzw. das Heck stabilisiert. Damit sie beim Biegen nicht bricht, wird sie in mehrere Teile gespalten. Zuerst wird markiert wie tief das Stempiece gespalten werden soll. Danach wird es an der Markierung in einem Schraubstock eingespannt, sodass es mit einem Messer nur bis zur Markierung gespalten wird. Um das Stempiece gut biegen zu können, wird es in Wasser eingeweicht. Nun kann es so weit gebogen werden, dass es von den Enden aus gesehen einen 90° Winkel ergibt. Anschließend wird es mit einer Schnur umwickelt, sodass es in der Form trocknet. Bevor das Stempiece in das Boot eingebaut wird, werden die Enden auf die passende Größe gesägt.

Die Spante wurde zwischen den Süllrand gesetzt
Die Spante wurde zwischen den Süllrand gesetzt

Die Spanten

Eine Spante ist eine dünne Leiste, die die Birkenrinde spannt und gleichzeitig eine Art Rippe im Boot bildet. Diese Spannung stabilisiert das Boot. Die Spanten werden auf beiden Seiten zwischen die innere Leiste des Süllrands und die Birkenrinde geklemmt. Sie halten die Schindeln fest.

Damit die Spante während des Biegens nicht bricht, wird sie mit heißem Wasser übergossen und danach 5-10 Minuten in einem Topf gekocht. Dann wird sie langsam zwischen den Süllrand geklemmt, damit sie trocknen kann. Nach den Trocknen behält sie ihre Form.

Die Schindeln sind zum Teil schon eingesetzt, der Rest muss noch gemacht werden.
Die Schindeln sind zum Teil schon eingesetzt, der Rest muss noch gemacht werden.

Die Schindeln

Die Schindeln sind Leisten die auf dem Boden des Boots liegen. Sie werden auf ein passendes Maß zugeschnitten und wie ein Puzzle zusammengesetzt. Die Schindeln gehen recht weit die Bootswand hoch, da sie helfen das Boot zu stabilisieren. Sie werden wie bereits erwähnt von den Spanten gehalten.

Der Zusammenbau des Kanus

Um die Birkenrinde biegen zu können, muss sie mit heißem Wasser übergossen werden. Damit die Rinde sich der Bootsform anpasst, muss sie an bestimmten Stellen eingeschnitten werden. Als nächstes wird der Süllrand mit der Rinde vernäht, die Schnitte natürlich auch. Wichtig ist, dass es am Süllrand Stellen gibt die nicht vernäht sind, damit die Spanten noch zwischen den inneren Süllrand und die Rinde gedrückt werden können. Es gibt verschiedene Materialien mit denen genäht werden kann. Die Hauptsache ist, dass sie stabil sind, sich biegen lassen und dabei nicht brechen. Um nähen zu können werden Löcher in die Rinde gebohrt. Nun kann das Nahtmaterial durch die Löcher gesteckt und die Schnitte vernäht werden. Als nächstes wird das Stempiece eingesetzt und vernäht. Dann werden die Schindeln in das Boot eingesetzt und mit den Spanten befestigt. Die Spanten werden so abgesägt, dass sie mit Druck von der Seite an ihren Platz gedrückt werden müssen. Die jeweiligen Enden werden, in den Lücken zwischen den Nähten, an ihren Platz gedrückt. Nun müssen die Nähte noch abgedichtet werden und das Boot kann ins Wasser.

 

 

 
Die Rinde wurde knapp am Süllrand abgeschnitten um ihn anschließend vernähen zu können. Der Süllrand wird vernäht
   
 Nun ist alles vernäht Als letztes werden die Schindeln eingesetzt, genau wie die Spanten, die die Schindeln festhalten

 

 

So sieht das fertige Boot aus