Papier aus Birkenrinde: Geschichte, Geschichten und Quellen

Feldpostkarte aus Birkenrinde von erstem Weltkrieg - Papier - Postkarte Birkenleder - Birkenrinde sagaanHätte Moses ein wenig weiter nördlich Gottes Stimme gehört: gut möglich, dass ihm die Mühe erspart geblieben wäre, die 10 Gebote in Schweiß gebadet in Stein zu hauen. Vielleicht hätten die Gebote dann auch etwas Leichteres an sich. Denn fast überall, wo Birken wachsen, wird auf deren Rinde seit Jahrhunderten geschrieben. Birkenrinde ist einer der ältesten Papiervorläufer und ein häufig genutzter Papier-Ersatz. So fanden im ersten Weltkrieg viele Feldpostkarten, auf Birkenrinde geschrieben, ihren Weg in die Heimat.

Jahrtausende alte buddhistische Handschriften auf Birkenrinde

Die ältesten buddhistischen Handschriften sind lange Rollen aus Birkenrinde, eng in Gandhari beschrieben, einer früheren indischen Regionalsprache, die es längst nicht mehr gibt. Sie stammen aus Gandhara, wie der Nordwesten Pakistans früher hieß.

Die Schriften im Norden Indiens sind speziell für die Birkenrinde entwickelt worden: In Nordindien wurde auf Birkenrinden geritzt, deshalb bestanden hier die Schriftzeichen aus geraden Linien, hingegen würde eine solche Technik die in Südindien verwendeten Palmblätter spalten.

SMS auf Birkenrinde

Birkenrindentexte von Weliki NowgorodDoch auch Alltagsdokumente wurden auf Birkenrinde geritzt. Im russischen Nowgorod wurden die ältesten Alltagsdokumente aus Birkenrinde gefunden: Briefe, Rechnungen und Flirts auf kleine Schnipsel der Rinde geritzt. Sie bieten einen interessanten Einblick in das gewöhnliche Leben mit den dazugehörigen Stimmungen – Liebe und Neid, Heimlichtuerei und Forderungen findet man auf diesen »SMS des Mittelalters«.

Auch unsere Partner und Freunde von der Offizin Parnassia in Vättis in der Schweiz nehmen die Birkenrinde nicht nur als Einband für wertvolle handgebundene Bücher, gemeinsam haben wir auch erste Druckversuche unternommen.

Papier aus Birkenrinde – Bogen Birkenrindenpapier  - sagaanPapier aus Birkenrinde

Nicht nur zum Drucken, sondern auch zum Beschreiben von Hand bieten wir jetzt Birkenrindenpapier. Die extrem dünn abgezogenen Blätter sind fast so biegsam wie Papier, und doch ist jedes ein Unikat: Jedes Blatt Birkenrindenpapier unterscheidet sich in Farbton, Wachstum und Patina voneinander.

Birkenrinde, aus unzähligen dünnen Schichten bestehend, kann laminar aufgespalten werden. Unser Papier aus Birkenrinde ist in der Regel ca. 0,5 bis 1mm stark. Beim Abziehen können Stufen zwischen verschiedenen Schichten entstehen – eine einzige Schicht plan abzuziehen ist fast unmöglich. Dabei können auch immer wieder die Enden einzelner Schichten abstehen.

Papier aus Birkenrinde: Rubbeln, fuseln, reißen – Besonderheiten der BaumrindeOft muss man an den kleinen Stufen zwischen den Schichten rubbeln, um diese zu lösen. Das ändert die natürliche Patina der Birkenrinde: Die bisher samtene Oberfläche wird etwas glätter und glänzt speckig, die Rubbelstelle ist dunkler. Auch durch häufiges Anfassen wandelt sich die lebendige Patina der Zwischenschichten spürbar. Unser Papier kommt meist aus den mittleren Schichten der Birkenrinde. Selten ist auf der einen Seite die bernsteinfarbene, gelbe Innenseite zu finden. Die weiße Außenseite ist immer so weit entfernt worden, dass man das Rindenblatt gut beschreiben kann. Je näher die Zwischenschichten an die weiße Seite herankommen und abhängig von den Wachstumseigenheiten der Birke, können an den charakteristischen Längsstrichen der Birke, den Lentizellen, die als Atemfläche für die Bäume dienen, kleine Löcher entstehen, so dass eine Art Sternenhimmel entsteht, wenn man das Birkenrindenpapier gegen die Sonne hält.

Die Lentizellen können waage- und senkrecht auf dem Papier zum Ausdruck kommen und sind von Baum zu Baum unterschiedlich groß. So wird jeder Text auf der Birkenrinde zu einem einmaligen Unikat.

 

Neugierig geworden? Probiere gleich unser Papier aus Birkenrinde aus!

 

 

Papier aus Birkenrinde - Durchsicht Lentizellen bei Birkenrindenpapier - sagaan